Systemische Beratung – den sozialen Kontext im Blick

Systemische Beratung beziehungsweise systemisches Coaching ist die gemeinsame Suche nach Ressourcen, die dabei helfen, die eigenen Wünsche und Ziele zu realisieren. In diese besondere Art der Beratung werden sowohl Individuen als auch Gruppen (z.B. Paare, Familien, Teams, Organisationen etc.) einbezogen, wobei deren jeweiliger sozialer Kontext, ihr soziales Umfeld eine wichtige Rolle spielt. Häufig wird die systemische Beratung auch als ressourcenorientierte oder prozessorientierte Beratung bezeichnet. Dabei werden unterschiedliche Persönlichkeitsanteile betrachtet, die eine große Wirkung auf die eigene Wahrnehmung haben. Beziehungen, Verstrickungen und Muster werden so sichtbar gemacht.

Systemische Beratung Berlin

Mit Neutralität zum Ziel

Dabei ist aus Beratersicht die sogenannte systemische oder phänomenologische Haltung zentral. Diese lässt sich mit fünf Neutralitäts-Aspekten zusammenfassen:

  1. Beziehungsneutralität: Berater/innen verhalten sich in Bezug auf die teilnehmenden und abwesenden Mitglieder des jeweiligen Systems (Familie, Ehe, Team, Firma usw.) neutral. Das heißt, sie ergreifen keine Partei für einzelne anwesende oder abwesende Personen bzw. für bestimmte Persönlichkeits- oder Rollenanteile der Implizierten.
  2. Problemneutralität: Berater/innen verhalten sich gegenüber den geschilderten Verhaltensweisen und Problemen neutral. Sie werten diese nicht, sondern fördern Problembeschreibungen, die die Hintergründe, die Funktion oder den Sinn eines Problems erkennen lassen.
  3. Konstruktneutralität: Berater/innen verhalten sich gegenüber den Erklärungen, Begründungen, Meinungen, Sichtweisen, Gefühlen, kurzum den Konstruktionen der direkt und indirekt Beteiligten neutral. Jede Sichtweise wird als individuell passend und prinzipiell gleichwertig betrachtet. Der Begriff der Neutralität ist hierbei nicht als Abwesenheit eigener Meinungen und Sichtweisen gedacht. Die Berater/innen dürfen diese haben, sie gelten aber als gleichberechtigt mit den verschiedenen Meinungen und Sichtweisen der anderen Implizierten.
  4. Lösungsneutralität: Berater/innen verhalten sich gegenüber den Lösungsideen der direkt und indirekt Beteiligten neutral. Nach der Weiterentwicklung von Bert Hellingers klassischen Lösungsbildern ist es nicht mehr notwendig, ein eindeutiges, geordnetes Lösungsbild herzustellen. Vielmehr wird die Lösung dem Beratenen selbst zur Eigeninterpretation gelassen.
  5. Veränderungsneutralität: Berater/innen verhalten sich neutral gegenüber Veränderungs- oder Beständigkeits-Tendenzen bei den Beratenen. Wenn sich etwas verändert, verändert es sich, wenn nicht, dann nicht. Auch eine Entscheidung, dass alles beim Alten bleibt, stellt ein mögliches und legitimes Beratungsergebnis dar. Auch hinsichtlich der Richtung, Ausprägung und Geschwindigkeit von Veränderungen bleiben die Beratenden neutral.